Birdman – Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit #filmkritik

Birdman ist nun auch hier zu lande schon seit einigen Wochen in den Kinos und ob es sich lohnt den Oscar Gewinner wirklich zu schauen, erfahrt ihr hier.

In Birdman geht es um einen alten Schauspieler namens Riggan Thomson (Michael Keaton) der früher eine große Rolle hatte als „Birdman“, doch nun ist er alt und wirklich viele interessieren sich nicht mehr für ihn. Er steckt fest in einer Sackgasse seines Lebens und trauert der alten Zeit des Ruhmes hinterher. Wenn er auf der Straße erkannt wird, dann halt nur als Birdman, Birdman, Birdman, die Rolle seines Lebens.

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Doch versucht er sich neu, auf einem eher kleineren und schlechterem Theater auf dem Broadway, mit der Bühnenadaption von Raymond Carvers What We Talk About When We Talk About Love, produziert von seinem besten Freund Jake (Zach Galifianakis), der selbst mit einem sehr dünnen Nervenkostüm bestückt ist und nur allzu gern mal an die Decke geht. Mit diesem Bühnenstück möchte er es der Welt einfach wieder beweisen. Riggan Thomson ist nicht alt und hatte nur „eine große Rolle“, nein Riggan Thomson kann viel mehr.

Doch wenn etwas schief gehen kann, dann geht etwas schief, wenn nicht sogar alles und der Wahnsinn beginnt. Sein neuer Hauptdarsteller Mike (Edward Norton) ist ein unglaublich exzentrischer Broadway Schauspieler, der außerhalb der Bühne eigentlich nichts wirklich auf die Reihe bekommt, doch auf der Bühne dann so in seine Rolle schlüpft und immer wieder sich neu erfinden möchte und dabei auch ganz gern mal Grenzen überschreitet.
Reagans Tochter Sam (Emma Stone) ist immer mit ihm dabei, nachdem sie den Entzug überstanden hatte , doch weiß sie selber nicht ob sie ihren Vater lieben oder hassen soll. Ein typisches Abbild einer Promi-Tochter, die nun desillusioniert durch die Welt geht und auch wenn sie nicht auffallen möchte immer heraussticht.
Dann haben wir noch die ambitionierte Schauspielerin Lesley (Naomi Watts), die bisher nicht wirklich viel auf die Beine stellen konnte, sich aber zu größerem berufen fühlt, was auch sonst?

Doch schnell wird dem Kinozuschauer klar, auch wenn Riggan sich versucht neu zu erfinden und zu beweisen das er noch ein großer Schauspieler ist, die damals hat sich etwas fest in ihn eingebrannt. Zu fest. Er kann sich nicht von Birdman lösen, denn zu tief ist sein Ego mit diesem Helden verankert, er hört ihn, er spricht mit ihm, er hat sogar seine Kräfte (?).

Dieser Film ist einfach großartig! Im Grunde geht es einfach um die Gefühle und Empfinden von Riggan Thomson, der sich nun versuchen möchte im Piranha-Becken namens Broadway, indem Hollywood Schauspieler wie er sowieso nicht gern gesehen werden. Michael Keaton passt einfach perfekt in diese Rolle. Sofort denkt man an sein Leben und die parallelen zu ihm und Batman. Ich finde es einfach sehr schön diesen Schauspieler mal wieder in einer großen Rolle zu sehen, denn genau dies kann er immer noch. Das stellt er in „Birdman“ wunderbar unter beweis.
Genauso überragend ist Edward Norton in der Rolle des Mike! Mein Gott ich liebe es ihm bei der Arbeit zuzusehen. Extrem überheblich und exzentrisch, erinnert dies mich auch an Fight Club. Er stellt einfach den Broadway Schauspieler dar! Der der immer etwas anders und besonders sein muss, der sich nur auf der Bühne selber als Mensch spürt und dort sein wahres Ich zeigt und eigentlich außerhalb der Bühne immer schauspielern muss.
Diese Beiden geben dem Film unglaublich tolle Dialoge und Dynamik und machen dem Film allein schauspielerisch zu etwas ganz besonderem.

Birdman-International-Trailer

Doch hat dieser Film noch etwas ganz besonderes an sich und zwar wie er gedreht wurde! Birdman hat keinen Schnitt! Nun zumindest kann man keinen sehen. Der Film läuft mit seinen zwei Stunden in einem durch. Vergleichbar mit dem Anfang aus Gravity, nur dies halt nicht nur 20 Minuten sondern gleich 120. Das sorgt dafür, dass man im Film einfach mitgezogen wird durch die Geschichte. Dazu kommt noch der herrlich minimalistische Soundtrack.

Birdman hat mir wirklich gefallen, auch wenn ich mir diesen Film erst ganz anders vorgestellt habe. Ich dachte es ginge viel mehr um Birdman selbst und das Riggan Thomson nun versucht wieder als Vogelmann die Welt zu begeistern.
Aber ich finde es toll einfach mal überrascht zu werden von einem ganz anderen Konzept: dem täglichen Wahnsinn mit Schauspielern!

Wertung: 9.5 / 10

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